Der Markt

Aktuelle Informationen der Plückthun Global Asset Management GmbH

Ausgabe 2. Quartal 2020

 

Corona und der Schwarze Schwan

 

Das Jahr 2020 begann für die Finanzmärkte zunächst positiv, auch wenn bei steigenden Kursen mit Rückschlägen zu rechnen war. Als Kandidaten einer möglichen Korrekturauslösung galten die üblichen „Verdächtigen“ – wie etwa Brexit, Handelsstreit, generell Geopolitik – also Konflikte, die Menschen mit Menschen austragen, und gerade hier hatte es seit Dezember Zeichen der Entspannung gegeben. Ab Mitte Februar wurden diese Erwartungen mit beispielloser Wucht über den Haufen geworfen – durch ein Virus, dessen Wirken zu Beginn des Jahres noch niemand als realistische Gefahr auf dem Erwartungsschirm hatte.

Derartige Ereignisse an den Börsen werden als „Schwarzer Schwan“ bezeichnet. Die Bezeichnung beschreibt ein abstrakt mögliches, aber konkret nicht zu erwartendes Ereignis mit schwerwiegenden Folgen. Das Jahr wird eine große Herausforderung bleiben, nicht nur für die Finanzmärkte, sondern auch für unseren Lebensalltag.

Mit dem aktuellen Marktbericht wollen wir Ihnen heute folgende Updates und Informationen liefern:

Den gesamten Marktbericht können Sie sich hier als PDF downloaden.

Wenn Sie darüber hinaus konkrete Fragen und Wünsche haben, zögern Sie bitte nicht Ihren Berater anzusprechen – wir sind gerne für Sie da!

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Plückthun Global Asset Management

 

Welche Auswirkungen hat Corona auf die Weltwirtschaft?

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 hat die Welt in einer solchen Geschwindigkeit erfasst und lahmgelegt, dass selbst Vergleiche mit Fukushima, dem 11. September oder der Finanzkrise 2008 zu kurz greifen. Um der exponentiellen Ausbreitung des Virus Herr zu werden, haben alle Industriestaaten die Volkswirtschaften stark heruntergefahren. Wie groß der wirtschaftliche Schaden ausfallen wird, lässt sich aktuell schwer ermessen, aber er wird erheblich sein. Die „Schockfrostung“ der Gesellschaft und Wirtschaft lies die globale Konjunktur innerhalb von wenigen Wochen in eine starke Rezession stürzen.

Als sich das Virus im Februar vermehrt in anderen asiatischen Ländern und insbesondere in Europa auszubreiten begann, gingen Aktienmärkte ab Ende Februar weltweit in eine vierwöchige Phase massiver Kursverluste über. Unter dem Eindruck der Ereignisse reagierten die Zentralbanken und Regierungen weltweit, indem sie ihre geld- und fiskalpolitischen Notfallkoffer weit öffneten. Dies trug wesentlich mit dazu bei, dass sich die Finanzmärkte vorerst stabilisierten und, bis Quartalsende sogar etwas erholten.

Ausblick

Der große Unterschied zu früheren Rezessionen ist, dass bei früheren Wirtschaftsrückgängen die Wirtschaftsleistung aufgrund verschiedener, nicht klar zu identifizierender Effekte sukzessive zurückging und es war während des Rückgangs zumeist nicht absehbar, wie lange die Rezession dauert und was der Auslöser für eine dann wieder steigende Wirtschaftsleistung sein könnte. Dies ist jetzt anders. Der Auslöser der Rezession ist bekannt – die Maßnahmen zur Reduzierung der Ausbreitung des Coronavirus. Damit ist auch das Ende der Rezession klar – die langsame Aufhebung der Maßnahmen. Was aktuell nicht klar ist, wie lange die Einschränkungen dauern, ob diese wieder temporär verschärft werden müssen und wie lange es dauert, bis wir die Wirtschaftsleistung der Vor-Corona-Zeit wieder erreicht haben werden.

Die große Aufgabe der Politik ist es neben der Gesundheitsfürsorge, den Teil der Wirtschaft und der Menschen, die aufgrund der angeordneten Einschränkungen massive Einkommens- und Ertragsausfälle haben durch geeignete Maßnahmen wie Kurzarbeitergeld, Zuschüsse und Darlehen durch die Rezession zu begleiten, damit bis zum erwarteten Aufschwung die Wirtschaft in ihrer Struktur weiter erhalten bleibt. Volkswirte gehen davon aus, dass der monetäre Umfang dieser Maßnahmen ungefähr dem Umfang der wirtschaftlichen Verluste entsprechen muss. Die aktuell aufgelegten Programme werden diesen Anforderungen gerecht. Hinzu werden höchstwahrscheinlich Anreizprogramme kommen, um nach Lockerung der Einschränkungen die Konsum- und Investitionsausgaben möglichst schnell wieder steigen zu lassen. Unterstützt und teilweise auch finanziert wird dies durch die Zentralbanken. Mittelfristig werden dadurch die Staatsschulden signifikant steigen. Um die höhere Verschuldung langfristig finanzieren zu können, werden die Zinsen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf absehbare Zeit sehr niedrig bleiben.

Die Aktienkurse notieren aktuell etwa 15 bis 30 Prozent niedriger als zu Jahresanfang. Daraus folgt, dass die Investoren die potenziellen Gewinne der Unternehmen in 2020 und 2021 fast vollständig abgeschrieben haben. Dies ist auf Grund der aktuellen Entwicklungen eher pessimistisch, da auch in der Krise nicht wenige Unternehmen, wie z.B. im IT- und Gesundheitssektor weiter Gewinne machen werden. Für Sie als langfristigen Investor sind nicht die kurzfristigen Entwicklungen, sondern der länger anhaltende Trend entscheidend. Die Wirtschaft wird nach der Corona–Krise vielleicht andere Schwerpunkte entwickeln (Gesundheit, Home-Office, Telefonkonferenzen), aber der langfristige Trend einer steigenden Wirtschaftsleistung bleibt ungebrochen.

Depotanpassungen im ersten Quartal

In der Regel passen wir die Depotstruktur ca. 4-8-mal im Jahr an. Wir überprüfen dabei regelmäßig die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Da die makroökonomischen Daten sich eher langsam ändern, erfolgt die Überprüfung und Anpassung in einem Rhythmus von ca. sechs bis acht Wochen.

Die Corona-Krise hat die Weltwirtschaft ins Mark getroffen. Innerhalb von wenigen Tagen wurden sämtliche volkswirtschaftlichen Vorhersagen für dieses Jahr ad acta gelegt. Auch wir haben deshalb sehr kurzfristig die Portfoliostrukturierung angepasst. In unserer Telefonkonferenz und den E-Mail Newslettern hatten wir Ihnen dazu schon erste Informationen mitgeteilt.

Ende Februar und Anfang März haben wir zunächst die Schwankungsrisiken reduziert, in dem wir die Aktienquote reduziert und die Liquiditätsquote erhöht haben. Mitte März haben wir dann innerhalb der Portfolios Umschichtungen vorgenommen und den Branchen Gesundheitswesen und Informationstechnologie eine höhere Gewichtung gegeben. Wir rechnen damit, dass diese Branchen stabiler durch die Krise kommen werden und auch zukünftig chancenreich sein können. Ende März investierten wir einen weiteren Anteil der Liquidität, da sich vor allem im Bereich der Unternehmensanleihen wieder gute Einstiegsmöglichkeiten und Chancen anboten.

In den letzten Wochen haben wir die Liquiditätsquote weiter reduziert, da die Kapitalmärkte sich zunächst stabilisieren konnten. Sollten sich in den kommenden Wochen und Monaten allerdings weitere Chancen ergeben, haben wir weiterhin innerhalb der Portfolios ausreichend Potenziale, schwankungsärmere Investments in chancenreiche Anlagen umzuschichten, damit Sie als langfristig orientierter Investor davon profitieren.

Wir werden Sie in den nächsten Wochen weiterhin wie gewohnt über unsere Einschätzungen und unser Vorgehen sowie die neuesten Entwicklungen am Kapitalmarkt informieren.

Fragen und Antworten

zu wichtigen Themen rund um die Finanzwelt in Zeichen von Corona

Ist eine Umschichtung eines Großteils meines Geldes in Gold als Krisenwährung sinnvoll?
Wir raten hiervon ab. In diesen Marktphasen wird in den Medien des Öfteren eine Flucht in Edelmetalle oder neuerdings Kryptowährungen empfohlen, da diese vermeintlich „krisensicher“ scheinen. Die vergangenen Wochen haben uns das Gegenteil gezeigt. Sowohl Gold, Silber und Platin als auch Kryptowährungen haben ebenfalls deutlich an Wert verloren.
Sollte ich jetzt meine Aktien verkaufen, um dann wieder einzusteigen, wenn die Unsicherheit sich gelegt hat? Kann ich mein Depot jetzt komplett verkaufen, um dann evtl. „günstiger“ einzusteigen?
Wir raten weiterhin dringlich davon ab, in der jetzigen Phase der Corona-Pandemie einen Großteil des Depotbestandes oder gar das gesamte Portfolio veräußern zu wollen, um dann „günstiger“ einzusteigen. Die Idee ist theoretisch nachvollziehbar, jedoch ist die Zukunft immer ungewiss und der vermeintlich tiefste Punkt der Bewegung nie klar zu erkennen. Meist hat dieser Fehler privater Anleger zur Folge, dass letztlich das Kapital zu spät reinvestiert wird und somit Gewinne nicht wahrgenommen werden.
Ist ein Totalverlust meines Vermögens möglich?
Die Depots unsere Mandanten sind so aufgebaut, dass sich Investments auf ca. 2.000 Unternehmen verteilen. Die Wahrscheinlichkeit, dass alle diese Unternehmen in eine Insolvenz gehen ist sehr unrealistisch. Die breite Diversifikation Ihrer Depots reduziert das mögliche Risiko enorm und Ihr Kapital wird durch dieses Vorgehen besser geschützt. Insbesondere in diesen Marktphasen zahlt sich unsere Strategie aus, nicht in Einzelwerte, sondern in breite Märkte und Regionen zu investieren.
Werden sich die Aktienmärkte wieder erholen?
Neben der Vielzahl globaler Analysten gehen auch wir davon aus, dass sich die Kapitalmärkte mittelfristig deutlich erholen. Die Investmentexperten von Goldman Sachs rechnen bereits bis Mitte 2021 mit einer deutlichen Steigerung der globalen Aktienindizes. Wie lange es genau dauert, bis die Kapitalmärkte sich wieder auf dem Niveau von Ende 2019 befinden, können wir nicht vorhersagen. Dass sich die Aktienkurse mittelfristig jedoch wieder auf dieses Niveau und höher bewegen werden, davon sind wir überzeugt. Sie werden als langfristiger Anleger mit der derzeitigen Investmentdisziplin sicher davon profitieren.
Sollte ich jetzt zusätzliches Kapital investieren?
Wenn Ihnen zusätzliche Beträge auf Tagesgeldkonten, Sparbüchern oder Girokonten zur Verfügung stehen, die Sie mittelfristig nicht benötigen, empfehlen wir Ihnen dieses Kapital zu investieren, um die aktuell günstigen Einstiegschancen zu nutzen. Eine Vielzahl unsere Mandanten hat bereits weiteres Kapital auf deren Konten überwiesen. Diese Beträge werden wir in mehreren Schritten über die nächsten Wochen investieren.
Ist es jetzt sinnvoll meinen Erstanlage in dieser Marktphase in einer Summe durchzuführen?
Grundsätzlich sind aktuell sowohl die Erstanlage als auch weitere Investitionen in bestehende Anlagen sinnvoll. Die aktuelle Situation an den globalen Kapitalmärkten bietet uns gute Einstiegsmöglichkeiten auf Grund der vergangenen Kurskorrekturen. Sie können die aktuell günstigen Einstiegskurse nutzen, indem Sie entweder das Kapital auf einmal investieren oder das Kapital in den nächsten Wochen und Monaten nach und nach investieren.

Wir empfehlen Ihnen daher, den gewünschten Anlagebetrag in ganzer Summe auf Ihr Konto zu transferieren. Wir werden weder den Erstanlagebetrag noch die Nachinvestitionen in dieser volatilen Marktphase auf einmal investieren. Wir investieren die Anlagesumme in mehreren Tranchen in die Kapitalmärkte und sichern Ihnen somit unterschiedliche Einstiegszeitpunkte. Somit erfolgt die Anlage Stück für Stück und Sie brauchen sich keine Gedanken darüber zu machen, den vermeintlich „falschen“ Einstiegszeitpunkt gewählt zu haben.

Sollte ich die Aktienquote erhöhen?
Wenn Ihre Aktienquote im Depot unterhalb von 50% liegt, empfehlen wir Ihnen, die Quote zu erhöhen. Wie hoch die Quote genau liegen sollte, können wir gerne mit Ihnen besprechen, da dies von Ihren persönlichen Zielen und Wünschen sowie Ihrer Anlegermentalität abhängt. Sie haben die Möglichkeit durch eine Erhöhung der Aktienquote wesentlich größer von der zukünftigen Aufholbewegung zu profitieren, da die Aktienwerte mit dem Ende der Corona-Krise mittelfristig deutlich stärker steigen werden als die Zinspapiere. Rufen Sie uns gerne an, um die Möglichkeit der Erhöhung der Aktienquoten zu besprechen.
Was wird sich bei Unternehmen nach der Corona-Krise ändern?
Die Corona-Krise wird schließlich bei Unternehmen auch für einige positive Auswirkungen und Maßnahmen sorgen. Viele Unternehmen wurden quasi dazu gezwungen, ihren Angestellten Home-Office-Möglichkeiten bzw. einen Home-Office-Arbeitsplatz zu ermöglichen. Zudem werden Meetings und Konferenzen mittlerweile in Form von Telefon-Konferenzen oder Video-Chats abgehalten. Diese Maßnahmen werden die Flexibilität bei Konzernen erhöhen. Wir gehen davon aus, dass sich dies langfristig noch weiter optimieren wird. Viele Unternehmen werden sich die Reisen ihrer Angestellten für Meetings um den halben Globus ersparen und stattdessen Video-Konferenzen durchführen. Dies erspart Zeit und Geld und bringt zudem einen Mehrwert für die Umwelt durch eine Reduzierung der CO2-Emissionen. Wir rechnen zudem damit, dass Firmen in der Zukunft ihren Mitarbeiten vermehrt die Möglichkeit des Home-Office anbieten werden. Dies hat zur Folge, dass einige Unternehmen stärker in ihre IT investieren werden, um u.a. die notwendigen Maßnahmen für Home-Office-Arbeitsplätze und reibungslose Video-Konferenzen zu ermöglichen.
Welche Branchen werden mittelfristig von den aktuellen Entwicklungen profitieren?
Auf Grund der erwarteten Maßnahmen bei Unternehmen, könnte sich die Technologie-Branche überproportional zu anderen Branchen entwickeln. Des Weiteren stellt die gesamte Corona-Thematik unser Gesundheitssystem auf eine harte Probe und wird dieses komplett auslasten und evtl. sogar überlasten. Auf Grund dessen ist damit zu rechnen, dass auch der Bereich Health Care mittelfristig deutlich steigen wird. Leider benötigt es oft eine nationale oder globale Krise, um die vorhandenen Mängel im System aufgezeigt zu bekommen und schließlich für die Zukunft drastische Nachbesserungsmaßnahmen durchzuführen. In diesen Zeiten erhalten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitsbereich die längst überfällige Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Es ist gerade deshalb davon auszugehen, dass die globalen Gesundheitseinrichtungen in Form von Personal und Ausstattungen aufgerüstet und ausgebaut werden.
Andreas Teichmann
Michael Steets
Andreas Teichmann

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